Ein Opern-Grand Seigneur alter Schule: Lüttichs Intendant Stefano Mazzonis di Pralafera ist tot

Der Intendant und Künstlerische Leiter der Opéra Royal de Wallonie im belgischen Lüttich, Stefano Mazzonis di Pralafera, ist tot. Der 72-jährige Italiener starb am 7. Februar an den Folgen eines Krebsleidens. Mazzonis leitete die Opéra Royal seit 2007. Unter seiner Leitung hat das in seinem feinem Historismuslook aufwendig renovierte Haus eine erstaunliche Entwicklung hinsichtlich der künstlerischen Qualität, eines internationalen Rufs und der Akzeptanz des Publikums erlebt, erklärte der Präsident des Verwaltungsrats, Willy Demeyer.

Zur Eröffnung der laufenden Spielzeit brachte Mazzonis mit Puccinis „La Bohème“ seine letzte Regiearbeit auf die Bühne. Im Juli 2022 wollte er die Leitung des bestens bestellten Hauses abgeben, das sich in seinem bewusst zelebrierten, auf Stars und Raritäten setzenden altmodischen Flair klug von den modernistischer ausgerichteten beiden anderen königlich belgischen Operntheatern in Brüssel und Antwerpen stilistisch abgesetzt hat. So zieht man bis aus Frankfurt und noch weiter die Liebhaber ästhetischer Ausstattungen und großer Sängerinnen in bisweilen ungewöhnlichen Rollen an.

Annick Massis wurde hier geliebt, zu Ruggero Raimondi hatte Mazzonis gute Beziehungen. June Anderson sang hier ihre erste Salome, Juan Diego Flórez, Deborah Voigt, José Cura, José van Dam hörte und hört man hier. Unlängst exhumierte man für den immer noch zwitscherfreudigen Koloraturkanarienvogel Sumi Jo die reizvolle „Manon Lescaut“ von Daniel- François-Esprit Auber. 2012, zur Wiedereröffnung des Hauses, gab es die Uraufführung von „Stradella“, einem Jugendwerk von César Franck.

In der von Corona zerstörten Spielzeit 2020/21 feierte die Opéra Royal de Wallonie (ORW) ihr 200-jähriges Bestehen. Es schmerzte Stefano Mazzonis di Pralafera, der früh schon auch auf Online-Übertragungen und Streams sowie auf eine konsequente Jugendarbeit gesetzt hatte, dass er gerade zu diesem Zeitpunkt nicht spielen konnte. Auch die von ihm berufenen Musikdirektorin Speranza Scappucci bedauerte sein Hinscheiden zutiefst.

Stefano Mazzonis di Pralafera wurde als Abkömmling eines alten piemontesischen Adelsgeschlechts 1949 in Rom geboren. Während seines dortigen Studiums der Rechtswissenschaften und Musik führter er bereits Regie am Universitätstheater. 1983 inszenierte er seine ersten Opern, die schnell Erfolg hatten, und so wurde er als Regisseur wie Ausstatter in diverse italienische Häuser von Rom bis Florenz eingeladen und arbeitete für zahlreichen Festivals in Italien wie im Ausland. Vor seiner Ernennung zum General Manager und künstlerischen Leiter in Lüttich war er auch künstlerischer Leiter zahlreicher Festivals und der Veranstaltungsreihe Concerti Telecom sowie Intendant des Teatro Comunale di Bologna. Als bekannte Persönlichkeit in den audiovisuellen Medien hat er zahlreiche Programme im italienischen Fernsehen und Radio (RAI) produziert und präsentiert. Einige der Produktionen aus Lüttich gibt es auf DVD, man kooperiert mit Medici- TV – und manchmal stellt man die abgefilmten Premieren für den Rest des Jahres auf die Webseite online. Umsonst. Aber auch in Lüttich machen die live natürlich viel mehr Spaß.

Schon vor einigen Jahren war Stefano Mazzonis di Pralafera übrigens zum Ehrenbürger der Stadt Lüttich ernannt worden.

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