Berührt und erhoben: Impressionen aus Kriegserinnerung und Bamberger Klangpracht beim Würzburger Mozartfest 2024

Opernaufführungen im mit der Unesco-Weltkulturerbe-Plakette veredelten Kaisersaal der Würzburger Residenz, gediegene, ungefährliche Konzertware mit großen Namen in den Kirchen und anderswo. Requiem und „Les petits riens“, vertanzt im Hofgarten. Das war lange das Markenzeichen des inzwischen 104 Jahre alten, schon lange maßgeblich auch vom Bayerischen Rundfunk verbreiteten Würzburger Mozartfestes. Eine gewisse Verbindung des Komponisten mit […]

Intensivierung durch Kontinuität: Der souverän gelungene Tudor-Zyklus am Grand Théâtre de Génève endet glückvoll mit „Roberto Devereux“

Aviel Cahn kann auch kulinarisch. Das hat der scheidende Intendant des Grand Théâte de Génève in den letzten drei Spielzeiten etwa mit seiner Donizetti-Tudor-Trilogie bewiesen. Während die Konkurrenz in Zürich und Amsterdam, wo man früher oder gleichzeitig an der der niemals vom Komponisten als Einheit gedachten, aber damals thematisch extrem populäre Werkfolge „Anna Bolena“, „Maria […]

Auch nach 14 Jahren funktioniert diese bedeutsame Produktion noch: Weinbergs „Die Passagierin“ in David Pountneys Urinszenierung am Teatro Real Madrid

Oben das hellglänzend Gute – unten die Hölle von Auschwitz. Das zweistöckige Bühnenbild, um das auf Schienen Eisenbahnwagen fahren, sagte schon fast alles über die Oper „Die Passagierin“ von Mieczysław Weinberg, die auf den Erlebnissen der polnischen Autorin Zofia Posmysz im Vernichtungslager beruht. Eine Deutsche begegnet auf einer Schiffsreise einer Polin, die in ihr eine […]

Mit vielseitig schönem Tenorton: Hermann Winkler zum 100. Geburtstag

Bewusst höre ich ihn wohl Anfang der Achtzigerjahre in München an der Bayerischen Staatsoper. Da gastierte Hermann Winkler regelmäßig während der Festspiele, aber auch in der regulären Spielzeit. Er sang damals Mozarts Idomeneo – neben Julia Varadys Elektra, Lilian Sukis als Ilia und Claes Haakan Ahnsjö als Idamante in einer aus dem Cuvilliéstheater, dem Uraufführungsort […]

Die exemplarische Geschichte einer Ausgrenzung: Robert Carsen lässt in seiner starken Scala-Inszenierung Peter Grimes nie aus dem Gerichtssaal

Ein schmutzweißer, gänzlich nüchterner Saal, halbhoch getäfelt mit einfacher Empore. Bänke, Tische eine Gerichtsschranke, die auch als Boot und schließlich Sarg dient – mehr braucht Robert Carsen nicht, um – erstaunlich spät in seiner langen Opernregiekarriere – den für ihn so perfekt passenden „Peter Grimes“ an der Mailänder Scala zu inszenieren. Wer einmal in Aldeburgh, […]

Wohltönende Mischung aus Film Noir und Mistery Thriller: „Die Frau ohne Schatten“ erstmals an der Opéra de Lyon

Szenen einer Geister-Mensch-Ehe. Sie steht frustriert im weißen Pyjama in ihrem schicken Badezimmer und ritzt sich die Arme. Er wischt später stoisch hinter ihr das Blut auf. Null Kommunikation, kein Versuch eines Liebesbeweises. Nur einsam nebeneinander herlaufende Aktion. Dazu gibt es merkwürdige Ambient-Geräusche und weibliches Stöhnen. Dann erst setzt das Orchester unter dem sorgfältigen Daniele […]

Ein sensitives Dschungelbiest und ein Wagner-Käpt‘n Blaubär: Weiß Köln eigentlich, was es an seinem versatilen GMD François-Xavier Roth hat?

Das ist ja fast wie in den guten alten Zeiten! Der Chef steht an zwei aufeinanderfolgenden Abenden mit völlig unterschiedlichen Opern im Graben. Er ist zudem kein Kostverächter und deckt im Repertoire alles ab von „Salome“ bis zur „Großherzogin von Gerolstein“, von Wagner bis zu Uraufführungen und natürlich immer wieder den von ihm so geliebten […]

Ein Käfig voller neapolitanischer Opernnarren: Vincis frühe Buffa „Li zite ’ngalera“ als geschlechtsfluide Wiederentdeckung an der Mailänder Scala

Zwei Männer küssen sich im Hafen von Neapel, Vorher haben sie einander angeschwärmt, obwohl sie von anderem sprachen. Die Zeit: 1722. Und da soll solches passiert sein? Natürlich nicht, aber in der Oper schon, genauer: in einer Commeddeja pe mmuseca, wie es auf gut Neapolitanisch heißt, also einer Commedia in Musica auf Hochitalienisch. Die wiederum […]

Küsse in der Prom Night: Gounod „Roméo et Juliette“ nüchtern aufgeräumt in Zürich, aber traumschön gesungen

Für gewöhnlich gilt Charles Gounods Shakespeare-Adaption „Roméo et Juliette“ von 1867 als charmanter Schmachtfetzen, den die Opernhäuser ansetzen, wenn man zwei junge, heißblütige und bitte auch berühmte Sänger an der Besetzungsangel hat. Die dürfen dann lieben und leiden, seufzen und sterben, dass es die reine Vokalfreude ist. Irgendjemand arrangiert das gefällig, und irgendwer anderes schlägt […]

„Bastarda“: Donizettis gelungener Tudor-Königinnen-„Ring“ – in Brüssel an zwei Abenden

Echte Menschen, wirkliche Konflikte, aufgelöst und zusammengehalten von der Grammatik der romantischen Italo-Oper des 19. Jahrhunderts. Gespiegelt in einer freien Annäherung an Renaissance-Optik als Herzergießungen in Cavatinenform, emotionale Ausbrüche nach Cabalettaart ­– und auch in den vielen, innovativen sanglichen Zwischenstufen, die der rastlos komponierende Gaetano Donizetti so nebenbei erfand. Das sind einige der Gründe, warum […]